Wort in der Krise | 21. April 2020

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Solidarität

von Pfarrer Christian Albrecht

Die Schrifttexte der Osterzeit sind geprägt vom zweiten Teil des Werkes Lukas’, der Apostelgeschichte. In ihr werden die frühe Entwicklung der Kirche, ihre Grundlagen, ihr Selbstverständnis thematisiert. Der heutige Ausschnitt (Apg 4, 32-37) ist beeindruckend schlicht zusammengefasst: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.“ Es ist das Ideal der Besitzlosigkeit, das bis heute die Klöster prägt. Nicht der Besitz des Einzelnen macht glücklich, sondern das Teilen! Leider haben viele Ideologen im Laufe der Zeit diese christliche Besitzlosigkeit für ihre Zwecke vereinnahmt. Sozialisten und Kommunisten meinten, allein im gemeinschaftlichen Besitz das Heil zu finden. Vergessen wurde völlig, dass es sich um ein Bild der Kirche handelte, das die Apostelgeschichte beschreibt. Eines, das im Tagesevangelium (Joh 3, 7-15) im Gespräch zwischen Nikodemus und Jesus genauer gemalt wird. „Der Wind weht, wo er will“, sagt Jesus. Und er meint damit den Heiligen Geist. Als Nikodemus nicht versteht, legt Jesus in der Diskussion nach: „Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche?“

Die Besitzlosigkeit des Einzelnen, die Armut im Sinne des Evangeliums – sie wird nur dann nicht zur Ideologie, wenn der Geist, die innere Haltung eine ist, die von Gott kommt. Im Heiligen Geist. Aus seiner Liebe. Die praktizierte Solidarität, die die frühe Kirche prägte und auch unsere Kirche bis heute prägen soll, hat ihren Sinn nicht darin, dass sie moralisch gut wäre. Der Sinn entspringt der Tatsache, dass Gott in Jesus Christus mit den Menschen solidarisch ist! Im Leben, Sterben und Auferstehen. Nur wer diese „himmlischen Dinge“ begreift kann begreifen, warum die Solidarität Gottes auch uns solidarisch machen soll. Nur aus einem Grund: weil wir dadurch Gottes Wesen besser verstehen können, wenn wir leben und handeln wie er!

Solidarität in Coronazeiten kann in diesem Sinne nützlich sein. Nicht zuerst, weil sie nützlich wäre für die Welt, sondern weil sie uns Gott näherbringt.

In den Kommentaren können Sie gerne Ihre Gebetsanliegen (Fürbitten) oder Ihre Gedanken mit uns teilen. In Ihren Anliegen wird in den nichtöffentlichen Eucharistiefeier am jeweiligen Tag oder im Folgegottedienst gebetet.

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